/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (12. Tag)


Hier wartete ich auf Kellner

Beim heutigen Frühstück stellte ich fest, dass ich in dieser Nacht der einzige Gast in diesem Hotel gewesen sein musste. Da hätte ich also auch noch etwas mit dem Preis machen können. Inzwischen hatte ich es aufgegeben, um ein früheres Frühstück zu bitten, das funktioniert sowieso nicht. Die Klimaanlage hatte meine Kleidung gut getrocknet und nachdem ich alles wieder verstaut hatte ging es los. Den Ausgang aus San Miniato, sprich die Fortsetzung des Frankenweges, fand ich zunächst nicht direkt, lief einen ziemlichen Umweg und musste quasi um den ganzen Berg noch mal herum, bis ich auf dem rechten Weg war.
Blick zurück auf San Miniato Heute traf ich die erste Pilgerin, allerdings auf dem Fahrrad, was ja irgendwie nicht so ganz zählt. Das wichtigste beim Radeln in Italien ist immer, so scheint es, die lustige Kleidung, sie hatte knallgelbe Ganzkörper-Leggins an und kaufte mit mir im gleichen Lebensmittelgeschäft ein, ich glaube, das war in Leccio oder Casastrada. Im Besitz der gewünschten Verpflegung musste ich feststellen, dass ein Pilgerweg eben nicht immer eindeutig beschildert ist. Ich hatte offenbar eine alternative Route erwischt, wobei ich weder Castelfiorentino noch einen anderen Ort, der in meinem Buch eingezeichnet war, erreichte. Der Weg wurde statt dessen immer wilder und schließlich lief ich über vertrocknete Wiesen. Hin und wieder gab es aber immer noch Zeichen, die auf den Weg nach Rom hinwiesen. Und auch die Laufrichtung Süden war ja nicht ganz verkehrt, also lief ich weiter, bis es anfing dunkel zu werden.
Quo Vadis? In dieser Agrargegend waren die Bauern noch auf den Feldern unterwegs, trotz regen Verkehrs mit Landmaschinen fand ich neben dem Weg eine ruhige Schlafstätte. Das größte Problem beim heutigen „Platzl“ waren Kletten, die es hier in allen Variationen und vor allem Mengen gab. Aber ich hatte mein Messer ja noch, mit dem ich das nötigste abmähen konnte. So langsam bekam ich eine Ahnung, warum bei Kerkeling immer von „G'schäftl“ und „Platzl“ gesprochen wird, man braucht einfach nicht mehr und freut sich nach einer bestimmten Zeit auch schon über kleine Inseln, die das Überleben möglich machen, für die meist die Verniedlichungsformel zutreffender war.

13. Tag