/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (5. Tag)


Das Wetter hatte tatsächlich gehalten. Was für ein Wahnsinn. Mein Halt im abfälligen Gelände war allerdings nicht so gut gewählt. Durch das Essen gestern Adend hatte ich nicht viel Zeit gehabt, den Schlafplatz sehr sorgfältig auszuwählen und so schlief ich oberhalb der Straße an einem Hang. Aus Erfahrung weiß ich jetzt, dass man nicht gut schläft, wenn der Oberkörper zwar mit dem Rucksack, der Unterkörper aber nur mit einem Baum abgestützt ist. Die Auflagefläche ist einfach zu klein. Egal, weiter ging's und da ich ja zu Fuß unterwegs war hielt mich auch eine Erneuerung des Fahrbahnbelages nicht auf, vielmehr hielt mir dies motorisierte Verkehrsteilnehmer vom Hals, auch wenn meine Schuhe dann etwas klebten. Heute muss es ganz lustig ausgesehen haben, mich zu beobachten, denn ich konnte meine Beine fast nicht mehr anheben, nicht wegen des Teeres, sondern weil die letzten Tage und diese Nacht eben doch von meinen Kräften gezehrt hatten.
bei Castel d'Aiano Unterwegs fand ich eine Sennerei. Wenn mich dies auch vor Verständigungsprobleme mit der Verkäuferin stellt, so bekam ich letzlich doch, was ich wollte, eine Flasche Milch und Käse, und konnte den Weg nach Gaggio Montano fortsetzen. Was mir auf dieser Tour auch sehr gefallen hat war die Tatsache, dass es so viele Früchte umsonst auf dem Weg gibt. Der Hit waren frische Feigen vom Baum, vor allem aber Brombeeren und sogar zwei Walderdbeeren waren meine Verpflegung von Mutter Natur.
Über Pietracolora und Abetaia kam ich dann in Gaggio Montano an, beobachtete zwei Radwandere und die Jugend des Ortes und die beobachteten mich. Nachdem ich gestern nun nur so wenig gelaufen war und es heute ja „nur“ bergab ging wollte ich noch weiter nach Silla laufen und war mir schon bevor ich disesen Ort erreichte nicht sicher, ob dies die richtige Entscheidung war, die Füße taten inzwischen nämlich schon ziemlich weh. Vor einer Bar erfuhr ich dann, dass es in Silla überhaupt kein Hotel gibt. Es ist nur ein Ortsteil von Gaggio Montano, die nächsten Übernachtungsmöglichkeiten gibt es erst in Poretta Terme. Was sich Terme nennt ist ja sicher ein Kurbad und damit nur teuer, aber was will man machen? Ich lief weiter und wie ein Wunder fand sich dann doch zwischen diesen beiden Orten, die fast zusammengebaut sind, rechts ein Feldweg in einen Wald. Neben einem ausgetrockneten Flußlauf schlug ich meinen Schlafsack auf und musste feststellen, dass Hunde weiter riechen können, als man im Wald sehen kann: in einem benachbarten Grundstück merkten sie, dass in dem Wald etwas war, was da nicht hin gehörte. Dies äußerten sie die ganze Nacht durch Bellen. Und wie das eben so ist: hat der eine aufgehört fängt der nächste damit an...

6. Tag