/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (4. Tag)


Ich hatte aber auch wieder Glück... Das Hotel lag genau auf dem Weg, den ich nun weiter laufen wollte. Beim Frühstück informierte ich mich erst mal in einem Autoatlas und schrieb mir die nächsten Ziele heraus. Als Dreingabe bekam ich von der Wirtin auch noch eine Karte, die für die nächsten zwei Tage genaueres aussagte als die Bologneser Karte.
...ich habe einen Plan... Der heutige Weg war genau das, was ich suchte: eine geteerte Nebenstrecke, die nicht stark befahren ist. Die Frage, die ich mir nur irgendwann stellen musste, war: wo bekomme ich nun Wasser her? Die Entfernung war heute ja gar nicht so groß, aber immerhin war es Hochsommer und das Gepäck wollte 400 Höhenmeter transportiert werden. In Rocca di Roffeno fragte ich ein älteres Paar, das gerade sein Auto vom Einkauf kommend auslud, wo es denn ein Geschäft, oder einfach Wasser gebe. Als der Mann sagte: „Dort vorne um die Ecke“, dachte ich erst, er hat mich nicht richtig verstanden, denn mein Italienisch hat sich ja nicht wesentlich verbessert, wenn ich nur alleine laufe, und es sah nicht so aus, als ob der Ort dort vorne weitergehe. Aber tatsächlich erschien nach ein paar Kurven ein Brunnen, an dem Einheimische sich gerade Flaschen abfüllten, so schlecht konnte das Wasser also nicht sein. Eine Frage nebenbei: bezeichnet man diese Behältnisse aus Kunststoff eigentlich auch als „Flaschen“ und wenn ja, warum?
Der Stil der ersten Woche Weiter ging es durch bewaldete Täler und bei der nächsten Rast sah mich ein Engel in Form einer Arbeiterin, vor deren Fabrik ich mich auf einen Stapel Paletten setzt. Ihre Frage, ob ich Kaffee, Wasser oder Bier möchte, beantwortete ich positiv und dass sie kein Bier im Kühlschrank habe tat ihr dann auch ziemlich leid. Den Kaffee und das Wasser brachte sie mir allerding.
Je mehr ich mich nun Castel d'Aiano näherte, desto mehr zog sich der Himmel zu. Also schon wieder Albergho? Ich versuchte es, nur leider waren alle beiden Hotels im Ort schon ausgebucht und da es inzwischen nach 19 Uhr war war der letzte Bus auch schon weg. Was tun? Ich setzt mich erst mal in eine Pizzeria, trank zur Pizza eine Menge Wein und beobachtete durch die Panoramascheibe den weiteren Verlauf des Wetters. Im gegenüber liegenden Tal regnete es immer wieder, auf dieser Seite schien es aber stabil zu sein. Auch dank des nun angetrunkenen Mutes lief ich dann doch los und fand ein „Platzl“ zum schlafen. Als Belohnung bekam ich noch einen exklusiven Mondaufgang mit Vollmond, oder zumindest fast voll, geboten.

5. Tag