/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (2. Tag)


Frühstück war nicht inklusive und also wollte ich erst ein Stückchen laufen und dann sehen, ob es unterwegs ein Café oder eine Bar gibt. Ein Café fand ich dann auch beim Porta Saragozza. Dabei konnte ich beobachten, wie ein junger Mann selbstgedruckte Plakate aufhängte, auf denen unter anderem „oggi sposi“, also so viel wie „heute Hochzeit“, zu lesen war. Offensichtlich ist dies Brauch, denn auf der Tour sollte ich später noch vielen solchen Plakaten begegnen, teilweise auch schon länger hängend.
das Porta Saragozza Gestärkt ging es weiter in Richtung Süden, ich wusste zwar immer noch nicht genau, ob ich nun über Pistoia oder weiter westlich über Lucca laufen wollte, die Karte sollte aber in jedem Fall erst mal für 3-4 Tage Fußmarsch reichen. Hauptstraßen wollte ich nicht unbedingt laufen und so wählte ich eine Seitenstraße, die in Richtung Paderno führt, was aber nicht auf meinem Weg lag. Ich wollte nach Sasso Marconi und verlief mich gleich mal; auch eine klein gezeichnete Straße der Karte wies doch auf einmal ziemlich viel Verkehr auf, so entschied ich mich für den ruhigeren Weg, der dann allerdings 6 km Umweg bedeutete.
In Sasso Marconi kaufte ich mir dann erst mal einen Photoapparat, ein Einweg-Modell, und konnte auf dem zentralen Platz eine Hochzeit, sicher aber nicht die in Bologna verkündigte, beobachten. Ich will ja nicht lästern, aber ich habe noch nie eine so hässliche Braut gesehen...
Die Frage war nun, sollte ich mir hier ein Zimmer nehmen oder packe ich noch ein paar Meter? Es war erst nachmittags und da ich gleich mal unter freiem Himmel schlafen wollte hatte ich ja noch Zeit. Also weiter, doch schon hier zeigte sich eines der größten Probleme: wie komme ich auf dem richtigen Weg aus einer Stadt heraus? So verlief ich mich heute zum zweiten Mal; also auch wenn kein Sackgassen-Schild aufgestellt ist gibt es keine Garantie, dass man weiter als bis an den Ortsrand kommt, denn auch das zweite Problem musste ich gleich am ersten Tag kenne lernen: jedes noch so kleine Grundstück ist mit Stacheldraht eingezäunt. Ein Anwohner, der mir gleich frisches Wasser mit gab, zeigte mir dann doch noch einen Ausweg nach Fontana, den Weg über die Berge nach Medelana traute ich mir um diese Uhrzeit nicht mehr zu, noch dazu dieser verschüttet sein soll, und zurück wollte ich ja auch nicht.
Bei der ersten Schlafmöglichkeit beobachtete mich ein Anwohner, also musste ich noch etwas weiter und fand zwischen Maisfeld und verwachsenem Bachlauf eine geeignete Stelle. Dort machte ich mir's gemütlich und las bei einem Martini, den ich mir in Bologna gekauft hatte, in Martin Walsers „Lebenslauf der Liebe“, den ich mir extra für Abende wie diesen mitgenommen hatte.

3. Tag