/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (1. Tag)


Spätestens als ich Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ gelesen hatte war mir klar, ich möchte so etwas auch machen, aber auf meine Art. Den überlaufenen Jakobsweg ließ ich links liegen und nach Jerusalem war es mir dann doch etwas zu weit, so viel Zeit hatte ich dann doch nicht, also entschied mich für den Frankenweg, italienisch „Via Francigena“ genannt. Wie sich später herausstellen sollte war dies keine schlechte Entscheidung, da ich ja möglichst alleine laufen wollte und dies auf diesem fast vergessenen Pilgerweg kein Problem war.
Der Weg auf einen Blick Los ging's am 27. Juli, traditionell wieder in Giengen an der Brenz. Wenn auch die Idee schon eine Weile brodelte so war die Ausführung doch recht kurzfristig. Das Auto würde in Italien nur im Wege 'rumstehen und das Flugzeug hätte zu lage im Voraus gebucht werden müssen, also entschied ich mich für die gute alte Bahn, immer noch eines der spontansten Verkehrsmittel. Da mir der Angestellte der Deutschen Bahn am Tage zuvor eher zu Bologna denn zu Parma geraten hatte, da müsse ich nicht umsteigen, setzte ich mich morgens in einen Zug und fuhr über Ulm nach München und stieg dort um in den Zug der Trenitalia, der italienischen Bahn, mit dem ich nach Bologna fuhr. So bekam ich einen Eindruck des Reisegefühls der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Genau der richtige Einstieg für jemanden, der wie vor 1000 Jahren reisen will.
schiefe Türme auch in Bologna Inzwischen musste ich auch mal das Abteil mit den gedämpften Scheiben aufsuchen und stellte fest, dass hier noch die Schwerkraft im Dienste der Reinigung steht. Nach Betätigung der Spülung wollte das Wasser allerdings nicht aufhören zu fließen; der vom Schaffner Benachrichtigte, offensichtlich dafür Zuständige, konnte daran auch nur nichts ändern, spätestens bei Rosenheim war der Tank also sicher leer. Nach der Station „Brenner“ hatte ich schon das Gefühl, die Lederhosen umsonst mitgeschleppt zu haben, denn offensichtlich funktionierte neben der Toilettenspülung auch die Klimaanlage in meinem Wagen nicht und ich bekam einen kleinen Vorgeschmack auf den italienischen Sommer. Zu dem zu Hause gewogenen Gewicht des Gepäcks in Höhe von 12 kg kam nun also auch noch das Gewicht von Lederhosen und Janker dazu.
In Bologna angekommen suchte ich zuerst ein Hotel und anschließend den Weg, nützlich erwiesen sich dabei die örtliche „Tourist Information“, wo ich eine brauchbare Karte für die nächsten Tage bekam, und Buchhandlungen, in denen ich erst mal schaute, was ich da eigentlich so vor hatte. Dazu, ein „Via-Francigena-Buch“ zu kaufen, konnte ich mich noch nicht durchringen. Abends gab es Spaghetti Bolognese, vielleicht war die Bar, die mir das Gericht servieren durfte, aber einfach doch zu billig; Klischee Nr. 1: „das Essen in Italien ist immer gut“ war damit schon widerlegt. Ach ja und wäre ich im Hotel schlagfertiger gewesen hätte ich heute auch noch einen CSD-Sonderpreis aushandeln können, wer rechnet denn aber auch mit so etwas.

2. Tag