/ FALs virtuelle Welt / Eine Reise nach Hasankeyf

Ein Reisebericht (9. Teil)

Wie viel ich meinen neuen „Freunden“ Murat und Duyu wert war hätte ich eigentlich heute nach dem Frühstück schon merken müssen, als sie mich ewig warten ließen. Nach einer Stunde hatte ich genug und machte mich alleine auf den Weg, das Ergebnis war einer der schönsten Tage der ganzen Reise,
Blick von der Stadtmauer Die Stadtmauer von Diyabakır ist angeblich, nach der chinesischen, die längste Mauer der Welt. Also suchte ich dieses große Bauwerk und lief erst mal in Richtung Innenstadt. Nach einer Weile merkte ich erst, dass ich schon lange neben der Mauer her lief. Es war, wie so oft im Leben, dass man das, was man sucht, vor der Nase nicht sieht. Beim Urfa Kapı fand ich endlich eine Treppe, um auf die Mauer zu steigen.
An dem heutigen Tag lief ich sicher 90 Prozent auf der rund 5 Kilometer langen Stadtmauer entlang. Dabei musste ich auch ein paar mal aufpassen, da ja alles mit Schnee bedeckt war. In der Regel ist die Mauer aber so breit, dass man auch zu zweit nebeneinander her laufen könnte. Natürlich ist es herrlich, solch eine Altstadt von oben zu betrachten. Dass ich dafür einen ganzen Tag gebraucht habe ist sicher auch nicht übertrieben. Auf Grund des allgegenwärtigen Schnee hatte ich danach total durchnässte Schuhe. Leider hatte mein Fotoapparat ab heute nichts mehr belichtet, wundern Sie sich also nicht, wenn nicht auf allen Bildern Schnee liegt.
Detail der Stadtmauer Am Abend ging ich das erste mal in ein Tee-Haus. Dies entspricht einer gutbürgerlichen deutschen Kneipe, nur dass statt Bier und Schnaps Tee getrunken wird. Wie immer gehört zum Tee auch eine Zigarette. Meist wird ein Spiel mit nummerierten Plaste-Kärtchen, oder Karten gespielt. Dort traf ich einen „Mr. Mehmet“, einen interessanten Menschen. Nicht nur, dass er genau wusste, was ich hier suchte, nein, er hatte sogar für ein deutsches Unternehmen beim Bau der Gap-Staudämme mitgearbeitet und kannte sich also in der Problematik sehr gut aus.
Minarett der Kasım Padişa Camii Das Pärchen Murat und Duyu war gar nicht so begeistert von meiner neuen Bekanntschaft und leider hatte ich zu guter letzt den falschen vertraut. An meine seltsame Stimmung an diesem Abend kann ich mich noch erinnern, denn ich ging mit ihnen statt mit Mehmet etwas trinken. Alkoholische Getränke gibt es in der Türkei nur in Lokali, ein solches besuchten wir heute Abend. Im Anschluß aßen wir dann noch scharfe Hammelkopf-Suppe, was zwar gewöhnungsbedürftig aussieht, aber sehr gut schmeckt und genau das richtige nach alkoholischen Getränken ist...

10. Teil