/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (18. Tag)


Heute wurde ich wach durch die Pilger, die ich am Abend zuvor getroffen hatte. Sie sind früh losgelaufen und unterhielten sich nun im Vorbeilaufen jenseits des Busches lautstark und klickten dabei mit den Pilgerstöcken im Schotter umher. Ich konnte ja noch etwas liegen bleiben, das ist eben der Lohn der Freiheit. Der erste Abschnitt des Tages gefiel mir dann nicht so ganz. Ich musste den ganzen Berg wieder herunterkommen und dies mit durchgelatschten Schuhen auf Schotterwegen. Außerdem keine Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme, tja, hätte ich eben gestern... Immerhin hatte der Herbergsvater mir ja Brot, Wurst und Obst mitgegeben, meine heutige Wegzehrung. Später, inzwischen war es schon Mittag und ich war schon ein ganzes Stück auf der Hauptstraße gelaufen, gab es eine Gast-/ Raststätte an dieser, wo ich mich auf die Terasse setzte mir erst mal nacheinander zwei Bier bestellte und etwas las. Zwei italienische Pilger, die ich in Radicófani im Hospitale gesehen hatte, waren auch hier eingekehrt, das Gequatsche heute früh war also keine Einbildung gewesen... ich lief lieber alleine weiter.
Acquapendenté Nach Ponte Gregoriano, angeblich auch schon von Michel de Montagne erwähnt, ging es weiter nach Acquapendenté. In allen kleinen Orten Italiens wurden zu dieser Zeit Straßenfeste vorbereitet oder wieder abgebaut, so war auch hier auf dem Dorfplatz eine Menge los. Im Rathaus erhielt ich keinen Rat, traf davor allerdings wieder Jens, den Konstanzer Pilger und Dolmetscher, der mich gleich zu einem Kaffee einlud. Ihm fehle nun nur noch die Wallfahrt nach Jerusalem, die mich wirklich auch mehr reizen würde als der Jakobsweg, von dem er mir reizendes erzählen konnte. Hierzu stieß dann noch eine Pilgerin aus Berlin, die Jens schon mal getroffen hatte.
Dies reichte mir heute, meiner Mutter zu liebe, noch nicht aus. Ich machte mich auf den Weg und bekam wieder gutes Kartenmaterial in einem etruskischen Museumsladen. Nach einem kleinen, unproblematischen Regenschauer kam ich bis nach San Lorenzo Nuovo, bekannt für die Erfindung der Gnocchi. Hier ein Hotel zu finden war schwierig, aber nötig; das Wetter war ja ziemlich wechselhaft und eine Dusche mit Seife war mir lieber als eine Dusche unter freiem Himmel. Die erste Pension wollte kein Einzelzimmer vermieten, zumindest nicht an mich, und das zweite Hotel, in dem ich dann blieb, war mit 35 € zwar das billigste der ganzen Reise, trotzdem aber bei weitem überbezahlt. Keimige Dusche und WC auf dem Flur, dreckiges Zimmer, nichts zu essen, auch keine Gnocchi. Nicht einmal die Wäsche wurde bis morgen ohne Klimaanlage trocken. Allerdings die Zusage eines Frühstücks um 8 Uhr vom Chef im Bademantel persönlich. Wer's glaubt.

19. Tag