/ FALs virtuelle Welt / Unterwegs auf dem Via Francigena

Ein Reisebericht (8. Tag)


In dieser Nacht hatte ich wieder die Rehe schnauben gehört, hatte ich doch mit meiner Schlafstätte ihre nächtlichen Wege versperrt. Die Gelegenheit zu einem Frühstück ergab sich in Serra dann nicht, ansonsten steht dieser Ort Prunetta, was Idyll und Ausblick angeht, in nichts nach. Hinter Serra lief ich in das Pesciatal hinunter und wie gestern beim Reno fehlt auch hier eine Brücke um diesen Weg mit dem Auto zurücklegen zu können. Der Fluß an sich, und damit auch das ganze Tal, stank im Gegensatz zum Reno allerdings erbärmlich, wodurch in diesem Tal keine rechte Stimmung aufkommen wollte. Es muss weiter oben eine Industrie geben, die ihre Abwässer in den Fluß leitet, ein Verbrechen an der Umwelt. Und mit Industrieanlagen ging es auch bis nach Peschia weiter.
Pietrabuona Das Wetter war ja nun ein paar Tage schon nicht mehr wirklich sonnig, bei Trassero fing es dann dazu auch noch zu regnen an. Ich war gewappnet, hatte mir heute schon die Lederhosen angezogen und wartete unter einem Vordach dann auch ab, bis das Schlimmste vorüber war. Dabei traf ich dann eine Frau, die offenbar in diesem Haus wohnte. Sis wartete auf den Bus und schon wieder musste ich einer Frau meine Mitfahrt ausschlagen, diesmal eben in einem Bus nach Peschia. Nein, ich wollte jeden Meter laufen. Auf viel Verständniss traf ich damit zwar nicht, aber was soll's.
Peschia Peschia selbst ist eine hässliche Stadt. Das erste Hotel nahm mich nicht, ein weiteres, das ich dann nutzte, liegt in einem Industriegebiet und in der Tourist Information wird man mit entsprechendem Aussehen erst gar nicht bedient. Außerdem versteht man dort kein Wort englisch oder deutsch, die Angstellte musste dazu erst mal eine Kollegin ans Telefon holen, mit der ich dann sprechen konnte. Nach Lucca wolle ich laufen, habe ich gesagt, ob es nicht einen anderen Weg als die Autobahn oder die SS 435, eine Hauptstraße gebe. Nach Lucca könne man nicht laufen, das sei viel zu weit und wenn, dann gebe es dafür nur die Hauptstraße. Kartenmaterial gab es auch keines und einen Buchladen konnte ich nicht finden, so musste ich dies eben hinnehmen, auch wenn ich es nicht glauben konnte. Immerhin fand ich aber das kleine Geschäft eines Schusters und vertraute dem Meister meine Schuhe an, die begannen, sich aufzulösen. „Ah, das ist nix gut, kein Qualitat.“ Wenn man will kann man sich also doch verständigen, wirklich reparieren konnte er die Schuhe jedoch nicht. Immerhin klebte er mir die Sohlen noch mal besser an, so schaffte ich auch noch weitere 400 km damit. In der Zwischenzeit aß ich gegenüber auf dem Plazza Mazzini etwas.

9. Tag